Ich habe Euch Jule geschickt

"Mikel, mein treuer Freund, trauere nicht so sehr um mich. Ich sehe hier oben auf dich herab und schicke dir einen kleinen Engel"

Diese Foto im Internet löste in uns Emotionen aus die wir nicht beschreiben können! Das ist Jule, von Gracy geschickt!

Es ist Ende Februar 09. Unser Mikel war nun bereits seit einem halben Jahr ein "Einzelhund". Der Verlust von Gracy war nicht nur für uns eine Katastrophe sondern auch für ihn. Er war immer ein sanftes Schaf (das ist er heute noch aber anders :-). Als plötzlicher Einzelhund duldete er keinen anderen Zweibeiner mehr. Nicht das er bösartig wurde, nein, er signalisierte bei Hundebegegnungen fortan mit knurrenden Äußerungen seinem vierbeinigen Hundekumpels: Lass mich in Ruhe und trotete davon. Selbst wenn das Gegenüber so gar nicht von seinen Äußerungen angetan war und zurück knurrte ließ Mikel sich nicht beeindrucken. Er ließ alle einfach stehen. Der einzige Kontak den er dringend wollte war der zwischen uns "übrig gebliebenen Zweibeinigen Rudelmitgliedern". Das wir ihn verwöhnt haben brauche ich (glaube ich) nicht zu erwähnen. Er ist halt unser Augenstern, das war und ist er immer. Wir haben also beschlossen NIEMALS einen "Zweithund" in unser Herz zu lassen. Wir konnten es nicht und Mikel wollte es nicht. So sollte es sein. Doch kommt es immer anders als man denkt.

Zurück zum Februar 09. Ich werde es nie vergessen, Mikel traf eine weiße Schäferhündin und er war wie von Sinnen (wenn man es in seinem Alter von 9 Jahren so nennen darf :-). Er stürmte voller Freude auf sie zu, kein geknurre, kein: lass mich in Ruhe, sondern beschnüffelte sie sehr interessiert und ich hatte das Gefühl als ob er dachte: das ist meine Gracy. Das er merkte sie war es doch nicht konnte man deutlich erkennen. Er war richtig entäuscht. Das war schon komisch, denn er hatte nach Gracys Tod schon einige Begegnungen mit anderen Weißen Mädels, was stets in gebrummel und Ablehnung endete. Er fand sein Fresschen plötzlich nicht mehr lecker, sein geliebtes Bällchen nicht mehr supertoll. Er sah uns an als ob er sagen wollte: ich bin wieder bereit für ein Mädchen. Und jetzt??? Der Gedanke an ein neues Familienmitglied war nicht einfach. Diese große Lücke zu füllen, unmöglich. Aber Mikel ist nun schon ein betagter Opi und es soll ihm an nichts fehlen. Also gut, wir haben diesen drängenden Hundeaugen nachgegeben und uns auf die Suche gemacht. Es sollte eine ebenfalls schon ältere, "weiße", ruhige, Schäferhündin aus dem Tierschutz sein, kein Baby oder Junghund. Das wäre ideal für Mikel.

Ja, da habe ich sie dann gesehen, obiges Foto stand im Zergportal: Beschreibung: Jule, weiße Schäferhündin/Husky Mix, ca. 5 Jahre alt, ideal als Zweithund. Ich habe sofort meinen Mann darauf aufmerksam gemacht und als er Jules Foto sah sagte er: DAS ist sie!! Irgendetwas an diesem Foto hat uns sehr berührt. Bauchgefühl eben. Und 5 Jahre, naja, ist ja auch nicht mehr soooo jung:-). Ich habe dann das Telefon geschnappt und in Süddeutschland angerufen. Dort saß Jule, im Crailsheimer Tierschutz. Dieser teilte mir dann mit das die Vermittlung von Jule nicht über sie direkt sondern in Zusammenarbeit  mit einer dort ansäßigen Tierärztin ablaufen würde. Also habe ich die Ärtzin angerufen. Das was sie über Jule berichtete war erschütternd. Ich habe bei der Suche viel Hundeelend gesehen und Jule gehört leider dazu...

Das was nicht in der Beschreibung stand war: Jules geschätztes Alter ist ca. 3 Jahre. Sie wurde Ende Januar 09, abends um 20:00 Uhr, an einem einsamen Waldparkplatz, aus einem Fahrzeug  geworfen. Etwas entfernt führt eine stark befahrene Schnellstrasse vorbei, ansonsten ist dort nichts! Kein Haus, keine Menschen, niemand. Aber Jule hatte einen Schutzengel bei sich (heute sagen wir: es war Gracy). Denn diese Tat ist beobachtet worden. Ein anderes Fahrzeug war nämlich genau zu dieser Uhrzeit auf dem Weg zu einem Freund. Dieser ist Förster, genau in diesem einsamen Waldgebiet. Der Fahrer hat gesehen wie ein Auto sich mit quitschenden Reifen vom Parkplatz entfernt hat. Er wunderte sich warum jemand es so eilig hat, mitten in der Dunkelheit und in diesem einsamen Gebiet. Er ist auf den Parkplatz gefahren und hat im Scheinwerferlicht "etwas" zitterndes, bibberndes gesehen. Jule. Sie saß dort völlig verstört und regungslos. Sie hatte kein Halsband und wie sich später herausstellte auch keinen Chip. Halter also unbekannt. Wenn sie keinen Schutzengel gehabt hätte wäre sie vermutlich entweder auf die Schnellstrasse gelaufen oder und jetzt kommt das für mich überhaupt grausamste was ich mir als Tierfreund vorstellen kann: sie wäre elendig verreckt. Ich benutze bewußt das Wort verreckt denn ich bin heute noch, wenn ich das hier schreibe, so verdammt wütend. Was ich mit dem "Aussetzer" als liebstes machen würde schreibe ich besser nicht. Und sollte es hier vom Täter gelesen werden: komm mir nicht in die Quere!!!

Denn nun kommt etwas unvorstellbares:

Jule hat sich bereitwillig einfangen lassen und der Fahrer (unser ganz großer Dank an ihn!) hat sie dem Tierschutz Crailsheim übergeben. Dort hat man schnell gemerkt das etwas nicht mit ihr stimmt. Sie konnte kein "Pippi" machen. Das was kam war Blut. Sie musste große Schmerzen ertragen haben, wer weiß wie lange schon. Sofort wurde die Tierärztin informiert, ein kurzer Griff an Jules Bauch und die Ärztin fühlte bereits von aussen das sich Blasensteine in der Blase befinden müssen. Eine OP musste dringend und sofort erfolgen, alles andere hätte den sicheren Tod bedeutet. Während der OP stelle sich heraus das sich 5 Blasensteine in der Blase befanden. Steine so groß wie große Kieselsteine. Sie sind etwa 5 cm groß. Jules Blase war durch die Steine übervoll. Urin konnte gar nicht mehr abfließen. Die Harnleiter waren verstopft. Außerdem war die Blase mit massivem Bakterienbefall versehen. Eine starke Entzündung hatte sich ausgebreitet. Jeder von uns der einmal eine Blasenentzündung hatte weiß wie schmerzhaft diese ist. Dann noch diese Steinbildung. Wir alle vermuten das Jule deshalb ausgesetz worden ist. Der Halter MUSS gemerkt haben das sie leidet und nur noch Blut statt Urin pinkelt. Wollte er Kosten sparen? Hat er Lust am quälen? Unfassbar. Jules Fall kam in die Presse und es wurde auch nach dem Halter gesucht, leider erfolglos. Aber auch ein Erfolg hätte Jule diese Qualen nicht erspart.

Das war also die tatsächliche Geschichte von Jule. Sie musste in verantwortungsvolle Hände, wie jeder andere Hund natürlich auch, nur muss Jule nun ständig überwacht werden, der PH-Wert des Urins muss häufig gemessen werden, Urinuntersuchungen müssen dauerhaft durchgeführt werden ob sich nicht neue Kristalle bilden aus denen sich dann wiederum Steine bilden. Die Ernährung muss angepasst sein um eine Kristallbildung möglichst zu vermeiden, sie sollte nicht durchnässen oder auf kalten oder feuchten Böden liegen, in kühleren Gewässern schwimmen. Durch die Eröffnung der Blase während der OP leidet Jule unter Inkontinenz (welche wir aber über eine Tabelttenteraphie super in den Griff bekommen haben). All diese Dinge hat man nicht in die Vorstellung des Hundes über das Internet gestellt  um Jule eine faire Chance zu geben. In einer persönlichen Unterhaltung ist die Problematik wesentlich besser zu erzählen. So, nun wußte ich was los war, geschockt über so viel Elend sah ich Mikel an und habe mit meinem Mann spontan beschlossen den weiten Weg nach Süddeutschland zu machen um Jule kennen zu lernen. Wir würden Sie bei der Tierärtzin treffen denn sie hat Jule nach der OP 3 Wochen lang bei sich behalten um sie selber zu vermitteln. Wir hatten ausgemacht das wir Mikel mitnehmen, er sollte selber entscheiden. Er hat sehr viel Feingefühl und wir verlassen uns da auf ihn. Wenn er signalisieren würde: Jule ist nichts für mich dann währen wir auch ohne sie wieder nach Hause gefahren. Das wäre für uns aber auch für Jule das Beste. Außerdem nützt es ihr nichts wenn sie von "ihrem" Jungen nicht gemocht wird. Sie braucht viel Liebe und das dringend um wieder vertrauen in die Menschen zu bekommen. Also haben wir uns zwei Tage später mit gemischten Gefühlen  auf den langen Weg gemacht, Mikel im Gepäck. Nach 5 Stunden Fahrt sind wir dann angekommen. Wir wußten das eine Mitarbeiterin vom Tierschutz auch anwesend war um mit zu entscheiden ob wir die "richtigen" für Jule sind. Gerade in diesem Moment, als wir an der Tierarztpraxis angekommen sind  verließ jemand die Praxis, mit einer kleinen weißen Maus an der Leine. Es war die Mitarbeiterin vom Tierschutz die eine Gassirunde gehen wollte. Sie sah unser Auto und Mikel der hinten aus dem Fenster schaute und blieb sofort stehen. Wir haben als erstes Mikel aus dem Kofferaum entlassen, bevor wir uns vorgestellt haben. Jetzt oder nie, mir kloppfte doch tatsächlich mein Herz. Mikel lief zu Jule, erst hektisch (klar lange Fahrt für unseren Opi:-)) dann doch ruhiger, beschnupperte sie schaute sie an und.... leckte ihre Ohren. Dann ging er erst mal Pippi machen. Wow, er fand sie echt gut, unglaublich. Dann kamen wir an die Reihe der Vorstellung. Jule war so klein und zart, so zerbrechlich. Sie ließ die ersten vorsichtigen Berührungen über sich ergehen. Wir durften dann mit Jule allein eine kleine Runde drehen. Die Mitarbeiterin sagte gehen sie ruhig mit ihr allein, so können sie sich besser kennenlernen. Alles weiter dann später. Also sind wir zu viert gegangen. Was für ein Gefühl. Es war ein kleiner Ort wo wir Jule ohne Leine laufen lassen konnten. Sie rannte mit Mikel über die Felder als ob sie immer schon mit ihm zusammen wäre. Und Mikel war verzückt, sowas von verzückt. Nach einer halben Stunde sind wir zurückgegangen und haben dann den "Papierkram" erledigt. Denn es war klar: wir fahren zu viert zurück! Als wir den Kofferraum geöffnet hatten um Jule ihr Halsband anzulegen(welches wir vorsichtshalber schon mitgenommen hatten)  sprang sie spontan ins Auto, setzte sich hin und hielt das Köpfchen hin um "ihr" Halsband zu bekommen. Mikel direkt hinterher, legte sich neben sie und: so von mir aus können wir :-)

Unter Tränen haben sich die Tierärtzin und die Mitarbeiterin des Tierschutzes von Jule verabschiedet. Ich hatte das Gefühl bei diesen beiden hatte Jule das erste mal in ihrem leben ein richtiges Zuhause??? Sie waren so liebevoll zu ihr. Jule wurde gechipt, geimpft, entwurmt, entfloht, operiert, Entzündungs und Bakterienfrei, HD geröngt und mit viel Liebe an uns weiter gegeben. Besser geht nicht!!!

Hier die ersten Fotos von Jule (März bis September 2009):

Das sind vier der fünf Blasensteine. Einer ist ins Labor zur Steinbestimmung gegangen. Bei Jule sind es Struvitsteine.

 Struvitsteine

ca. 5 cm Durchmesser

 

Julchens operiertes Bäuchlein

Und das bin ich: klein Julchen

  

klein, aber fein

Ich fühl mich hier einfach wohl....

......in meinem neuen Rudel

Manchmal werde ich aber beim träumen gestört....

...für Fotos. Macht aber nix, denn bin ich nicht fotogen????? 

 

Uppps, ne, falsches Foto,   Hier die richtigen:

ich hab mein Fell so schön.....

Meine erste Fleischmahlzeit am Stück: ob "das" wohl noch lebt?

hmm, Mikel frißt "es" auch Ich probiers....

...so am Stück, schmeckt echt lecker , wie gewolft 

Puhh, alles ist so neu. Auch Wasser ist mir noch unheimlich. Meiki scheints aber echt zu gefallen.....mir aber noch nicht

Mein Meike  der traut sich aber was, er hält das für normal???

Ok, ich versuchs auch.

Ich kann tatsächlich schwimmen 

Für meinen Geschmack aber : zu Nass

Ich spiel  lieber was anderes zur Freude meiner Menschen

Schaut selber: haaach, schön schmuddelig. So muss das sein!

Ich, klein Julchen, danke meinem Schutzengel Gracy

für mein neues, liebevolles und wunderbares Zuhause

Neuigkeiten Januar 2010

Demnächst geht es weiter.